Der Hausarzt – Medizin mit Augenmaß

Immer mehr Menschen erkennen, dass etwas früher selbstverständliches heute zu etwas sehr wertvollem geworden ist: die Betreuung durch einen Hausarzt. Die medizinische Betreuung eines Menschen, mehr noch einer ganzen Familie über einen langen Zeitraum in allen Bereichen der Gesundheit in einer auf Dauer angelegten Arzt-Patienten-Beziehung eröffnet Möglichkeiten, die eine nur krankheitsorientierte Medizin nicht haben kann. Die oft vorwurfsvoll zitierten „drei Minuten pro Patient „ (Balint) summieren sich im Lauf der Zeit zu einer gelebten Anamnese (Krankengeschichte), die sehr viele Facetten von Krankheitsentstehung und Gesundung in ihrem sozialen und kulturellen Umfeld deutlich werden lässt. Auf diesem Weg ist es dem Arzt möglich, gemeinsam mit dem Patienten einen sehr individuellen Behandlungsplan zu erarbeiten, der seinen Fähigkeiten und Kräften zur Genesung entspricht.

Die Arbeit des Hausarztes ist heute notwendigerweise geprägt von den Leitlinien der Fachgesellschaften, insbesondere der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (DEGAM). Diese Standards werden aber nicht einfach dem Patienten übergestülpt, sondern an die besondere Situation eben dieses Menschen angepasst. Er behandelt Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren in ihrer vielfältigen Lebenswirklichkeit, die er auch aus Hausbesuchen kennt.

In der wenig überschaubaren Vielfalt der spezialisierten und subspezialisierten Fachärzte behält der Hausarzt die Übersicht und weiß, wann er welchen Facharzt hinzuziehen, auch wann er ein Zuviel an Diagnostik und Therapie verhindern muss, gemäß dem Leitgedanken nil nocere, niemals schaden. Dabei ist er der Informationsvermittler zwischen den Fachärzten, damit auch der Kardiologe von den Augentropfen weiß. Er kann nicht nur die gesammelten Berichte und Befunde weitergeben, sondern auch, dass dieser Patient vielleicht besondere Angst vor einer Operation hat oder die schwierige berufliche Situation berücksichtigt werden muss.

Dieses vielfältige Wissen kann der Hausarzt zur Gesunderhaltung (Salutogenese) des Patienten einsetzen, vielleicht um eine Erkrankung gar nicht eintreten zu lassen. Viele gesetzliche und private Krankenversicherungen haben den Wert dieser breiten Zuständigkeit und Kontinuität erkannt und gewähren Vergünstigungen für ein Hausarzt-Modell. Auch wenn es um Berichte und Gutachten für die Rente oder andere Versicherungen geht, hat der Hausarzt alle Unterlagen griffbereit.

Nicht nur die Heilung oder Linderung von akuten und insbesondere chronischen Erkrankungen hat der Hausarzt als Allgemeinmediziner in seiner mindestens 11-jährigen Ausbildung gelernt. Die Vorbeugung (Impfen z.B.) und die Verhinderung (Risikofaktoren z.B.) von Erkrankungen sind ihm ein wichtiges Anliegen. Regelmäßig besucht er zertifizierte Fortbildungen und wahrt kritische Distanz zum Pharmazeutisch-Industriellen Komplex. Moderne Hausärzte haben eine psychosomatische Qualifikation, sie sehen den Patienten in der Ganzheit seiner seelischen, körperlichen und sozialen Existenz. So können sie Medizin mit Augenmaß machen. Eine Medizin, die besonders in unserem letzten Lebensabschnitt wichtig wird, wenn es ans Sterben geht. Dann begleitet der Hausarzt und weiß, was er zu tun und vor allem, was er zu lassen hat. Denn seine Einstellung wird getragen von helfender Führung und Respekt vor der Selbstbestimmtheit, ausbalanciert mit Einfühlung.


 

Zum Hausarzt – wenn's um Ihre Gesundheit geht